Gesangstudio Dietmar Vollmert

Ausbildungsstätte für klassischen Gesang

Vita Dietmar Vollmert

geboren 1939 in Berlin

Fluglotse am Frankfurter Flughafen von 1959 bis 1994

Seit 1964 Ausbildung zum Konzert- und Opernsänger (Bariton) bei der renommierten Gesangpädagogin Gerthy Haindl, ihrerseits Schülerin von Otto Iro (Wien)

 

Otto Iro, Gesangpädagoge, geb.10.08.1890 in Eger / Böhmen, gest. 15.04.1971 in Vöcklabruck / Oberösterreich, unterrichtete 1917-1952 in Wien (1935 Professor), dann in Weyregg am Attersee.

Otto Iro – Stimmwissenschaftliche Blätter Der Artikel über Otto Iro ist in der Fachzeitschrift Vox Humana erschienen.  ( Ausgabe Februar 2019 )

Schriften:
Diagnostik der Stimme (1923), Diagnostik und Pädagogik der Stimmbildung (1961)

Schüler:
Heinrich Knote (1870-1953), Fritz Krenn (1887-1963), Josef von Manowarda(1890-1942), Laurens Albertus Bogtman(1900-1969), Hilde Güden (1917-1988), Oskar Czerwenka (1924-2000)

Seit 1975 rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland (USA 1995 und 1998 / Frankreich 1996 / Spanien 2006)

Das Repertoire umfasst alle bedeutenden Liederzyklen der deutschen Literatur, sowie Partien aus Oper und Operette.

Mit Idol Dietrich Fischer-Dieskau 2004 in  Schwarzenberg anlässlich der Schubertiade Mit Idol Dietrich Fischer-Dieskau 2004 in Schwarzenberg anlässlich der Schubertiade

Gedankenaustausch mit der legendären Sopranistin Inge Borkh in Bad Wildbad

Seit 1994 erfolgreich gesangpädagogisch tätig

Seit 1994 gibt Dietmar Vollmert sein umfassendes Wissen an interessierte Mitmenschen jeglichen Alters weiter. Er veranstaltet Konzerte und vermittelt den talentiertesten Schülerinnen und Schülern Auftritte in Konzertsälen und Kirchen. Seine traditionellen Pfingstworkshops bieten auch Externen zusätzliche interpretatorische Ansätze, die er gemeinsam mit seiner Kollegin Britta Jacobus, sowie Friederike Wiesner und Norbert Henß ( Klavier ), erarbeitet.

 

 

 

 

 

Vorsitzender des Musikforums Kriftel

Das Musikforum Kriftel koordiniert das reichhaltige Musikangebot in Kriftel. Neben Konzerten der Krifteler Musizierenden werden auch gelegentlich fremden Ensembles die Möglichkeit von Auftritten eingeräumt. Das Musikforum Kriftel ist auch selbst Veranstalter. Nicht mehr wegzudenken sind die Konzerte verschiedenener Künstler und Künstlergruppen im Rahmen des Krifteler Adventsmarktes.

www.musikforum-kriftel.de

Mitgliedschaften

Bundesverband deutscher Gesangspädagogen (BDG)

Brahmsgesellschaft Baden-Baden

Mendelssohn-Gesellschaft Main-Taunus

Deutsche Rossini-Gesellschaft (DRG), die maßgeblichen Anteil an der erfreulichen Renaissance des Belcanto hierzulande hat (z.B. Rossini in Wildbad)

Veranstalter von Workshops

Workshops für semiprofessionelle Sängerinnen und Sänger jeglichen Alters (Kunstlied, Oper, Operette), gemeinsam mit der Mezzosopranistin Britta Jacobus , sowie der Pianistin Friederike Wiesner und dem Pianisten Norbert Henß

 

 

 

 

Rückschau auf eine Sängervita




Alles begann vor nunmehr 60 Jahren in Westberlin: Ein Klassenkamerad hatte in Ostberlin zwei Sachbücher nicht bezahlt, was ihn den Verbleib an unserem Gymnasium kostete und somit auch die Reifeprüfung! Kleinigkeiten zeitigten damals in der prekären politischen Situation vor dem Bau der Mauer abstruse Reaktionen wie diese. Die Abiturfeier in der Aula gipfelte in meinem ersten öffentlichen Auftritt als Sänger, auf dem altersschwachen Flügel begleitet von unserer Musiklehrerin. Als ich Sarastros „In diesen heil`gen Hallen kennt man die Rache nicht“ mehr schlecht als recht intonierte, ging ein Raunen und Kichern durch die Reihen, denn der Rauswurf des Schülers war mehrheitlich als Racheakt empfunden worden. Mir wurde jedoch ob meines beherzten Auftritts ein so hohes Maß an Aufmerksamkeit zuteil, dass ich beschloss, ein mindestens so bedeutender Bass zu werden wie Josef Greindl, der damals weltweites Ansehen genoss.

Das Bedürfnis jedoch, der bundesrepublikanischen Enklave in der DDR, nach Krieg, Bombennächten, Zerstörung, Blockade und Luftbrücke, den Rücken zu kehren, war schließlich so groß, dass ich meine künstlerischen Ambitionen vorerst zurück stellte und mich um eine Ausbildung zum Fluglotsen bewarb, einen Beruf, den man im Berlin der Alliierten aus hoheitsrechtlichen Gründen nicht ausüben durfte. So verschlug es mich nach Frankfurt in den Tower, wo ich zwar nicht singen, dafür aber per Mikrofon mit den Piloten sprechen durfte. Bei allem berufsimmanenten Stress reizten mich doch zwei alles andere als alltägliche Aspekte: Ruhestand mit 55 und die Tatsache, dass man nie Arbeit mit nach Hause nehmen konnte! Ich hatte natürlich meine sängerischen Ambitionen nie aus dem Auge verloren.

Eine schicksalhafte Begegnung mit Gerthy Haindl, der Lieblingsschülerin des großen Otto Iro, eröffnete mir die ersehnte künstlerische Perspektive. Ich wurde ihr Schüler und mutierte in kurzer Zeit vom Stimmfach des Sarastro zu dem des Papageno! Noch heute fasziniert mich der gesangspädagogische Ansatz Gerthy Haindls, die grundsätzlich nichts vorsang, sondern mimisch und gestisch, sowie verbal stets das erreichte, was ihr vorschwebte. Selbstverständlich spielte auch Iros „Erfindung“ der akuten und chronischen Registerdivergenz ( das Scheitern an einer bruchlosen Messa di Voce von der Randschwingung in die Vollschwingung und umgekehrt ) eine große Rolle. Mit dem Wechsel des Stimmfachs wich ein Idol ( Greindl ) dem nächsten: Dietrich Fischer-Dieskau, mit dem ich mich 2004 bei der Schubertiade in Schwarzenberg austauschen durfte. Er beeindruckte mich dort als Dozent eines Meisterkurses und fast noch mehr als sympathischer Weltstar, der im persönlichen Gespräch, bar jeglicher Arroganz, den Diskurs über den Gesang, speziell den Liedgesang, pflegte und mir interessante Einblicke in seinen umfassenden, demütigen Umgang mit der Musik vermittelte, sekundiert von seiner temperamentvollen Ehefrau Julia Varady. Der Kontakt wurde übrigens durch einen befreundeten Journalisten geknüpft. Nicht, dass Jemand denkt, der Herr Professor hätte um ein Gespräch mit mir nachgesucht….


Beim Ebbelwoi ( Apfelwein ) in Frankfurt-Sachsenhausen erregte ich mit einem pseudorussischen „ Kalinka“, in der Manier eines Iwan Rebroff, die Aufmerksamkeit einer jungen Frau, mit der ich inzwischen 50 Jahre verheiratet bin. Eigentlich hatte mir die strenge Gesangsmeisterin das Singen im ungestützten Falsett untersagt. Aber ( erstens ) heiligt in diesem Fall der Zweck die Mittel und ( zweitens ) hat sie es nie erfahren!
Und das Entsetzen meiner Schwiegermutter, die Tochter an einen Bänkelsänger verloren zu haben, wich schon vor der Hochzeit einer beiderseitigen Zuneigung.


35 Jahre Fluglotse, 35 Jahre Schichtdienst, stellten eine große logistische Herausforderung dar, musste ich doch ständig den Unterricht, die wachsende Anzahl von Konzerten in örtlichem und regionalem Rahmen, das Opernstudio am Mainzer Theater und die familiären Termine in den zeitlichen Ablauf integrieren! Gemeinsam mit einem exzellent Klavier spielenden Lotsenkollegen klapperte ich alle Frankfurter Altersheime ( Senioren gab es damals noch nicht…. ) ab, in denen ein Klavier stand. Die dabei gewonnenen Erfahrungen, mit ständig wechselnden akustischen und atmosphärischen Bedingungen, waren für meine späteren Auftritte sehr hilfreich. Und ein bisschen Geld gab es auch noch dafür.


In den siebziger Jahren legte ich die entsprechenden Prüfungen vor Vertretern der GDBA ( Genossenschaft Deutscher Bühnenangehörigen ) ab. Ein mir angebotenes Engagement an einem mittleren Opernhaus schlug ich aus, weil ich ja beruflich längst gebunden war und zudem die Erfahrung gemacht hatte, dass man auch nebenberuflich erfolgreich konzertieren konnte, was ich wiederum einer schicksalhaften Begegnung verdankte. Der Profipianist Norbert Henß steht mir seit mehr als vierzig Jahren zur Seite, sowohl  mir während meiner aktiven Zeit, als auch meiner Schülerschar, die zusätzlich seit einigen Jahren von der Pianistin Friederike Wiesner betreut wird. Wohl dem, der solche Mitstreiter an seiner Seite weiß! Mit Henß bereiste ich zwei Mal die Südstaaten der USA und natürlich Deutschland, u. a. mit Schuberts Winterreise, der Schönen Müllerin, mit Schumanns Dichterliebe, dessen Liederkreis op.39. Hinzu kamen die Schöne Magelone von Brahms und Balladen von Loewe. Auftritte in freien Opernproduktionen und bei sakralen Projekten in Kirchen rundeten die sängerischen Tätigkeiten ab.


Mit 55 durfte ich schließlich meinen Hauptberuf quittieren und den letzten Abschnitt meiner Vita komplett der Familie und dem Gesang widmen: Zehn geschenkte Jahre, die es zu nutzen galt, meinen Traum zu verwirklichen! Die Existenz meines Gesangstudios und das Engagement seines Gründers sprachen sich schnell herum. 1995 trat ich als ordentliches Mitglied dem BDG bei, was ich bis heute nicht bereut habe. Da ich vom Unterrichten nicht leben muss, kann ich bei der Auswahl der Interessenten selektiv vorgehen. Wer nicht für den Gesang brennt, hat grundsätzlich keine Chance. Da es sich stets um sehr talentierte Laien handelt, die einem Beruf  oder Studium jenseits von Oper und Konzert nachgehen, habe ich nie das mulmige Gefühl, sie später in eine ungewisse Zukunft zu entlassen.

Vor fünfzehn Jahren rief ich, gemeinsam mit einer erfahrenen Kollegin, den Pfingstworkshop Gesang ins Leben, offen für ambitionierte, in ihrer sängerischen Ausbildung fortgeschrittene Mitmenschen jeglichen Alters.
Etwas Vergleichbares hatte ich als Dozent eines Workshops erlebt, den eine andere Kollegin um die Jahrtausendwende veranstaltet hatte. Sie tut es übrigens noch heute. Da Kurse dieser Art viel zu selten angeboten werden, war die Resonanz auf meinen Workshop enorm, nicht nur regional und national, sondern auch international. Leider wird es hier keine Fortsetzung geben, weil ich die Leitung aus Altersgründen niedergelegt habe, wie ich auch meine aktive Konzerttätigkeit mit 70 beendet hatte, weil ich meinen eigenen Maßstäben nicht mehr genügte, obwohl die Stimme auch heute noch intakt ist. Ich möchte meinen Kolleginnen und Kollegen  ans Herz legen, Workshops dieser Art für semiprofessionelle Sängerinnen und Sänger anzubieten. Es lohnt sich für alle Beteiligten!


In der Rückschau bleibt die Erkenntnis, damals, vor nunmehr 60 Jahren, so ziemlich alles richtig gemacht zu haben, auch und besonders, was meine sängerischen Ambitionen betrifft.


Fazit: Lebe deinen Traum – mit Herz u n d  Verstand!